Ortsbegehung Steinfels und Fa. Bergler
Über zwei Stunden führte Firmeninhaber Georg Bergler die Mitglieder des SPD-Ortsvereines Mantel mit Vorsitzendem Dietmar Horch und Fraktionssprecher Dr. Manfred Klier durch seinen sieben Hektar großen Entsorgungspark Steinfels, der aus Humuswerk, Schrott- und Altmetallaufbereitung, Holzaufbereitungsanlage sowie Sortieranlage für Kunststoffmüll aus dem Gelben Sack besteht. Es war schon erschreckend, einmal einen Teil des Plastikmülls, den unsere Wohlstandsgesellschaft produziert, gelagert in großen Hallen zu sehen.
Die Plastikabfälle werden weitgehend maschinell sortiert, Menschen könnten in dieser Geschwindigkeit die Abfälle nicht nach ihren Hauptbestandteilen trennen. Während in Weiherhammer 14 Frauen stündlich 1,4 Tonnen Müll sortierten, erledigt die Anlage in Steinfels 5 Tonnen in der Stunde. Insgesamt sind in Steinfels 30 Arbeiter beschäftigt. Die Abfälle werden nach der Sortierung zu Ballen gepresst. Es gibt Ballen aus reinen Folien, sowie Ballen mit anderen Materialien wie Joghurtbecher, Plastikflaschen, Tetra-Paks und vielem mehr. Wie Georg Bergler erzählte, werden aus den Pet-Flaschen Fasern für die Bekleidungsindustrie hergestellt. Die Tetra-Paks werden in die Papierfabriken geliefert. Für die gepressten Abfallballen, die je nach Bestandteilen zwischen 180 Kilogramm und 350 Kilogramm (Papier) wiegen, gibt es in Deutschland 250 Vermarkter.
Da eine Mülldeponie ein ungeregeltes Chemiewerk ist, so Bergler, ist die Sortierung und Weiterverarbeitung wesentlich umweltfreundlicher. Mischballen aus verschiedenen Plastikabfällen sind ein besserer Brennstoff für die Müllkraftwerke als Öl. Bei der Müllverbrennung wird immer nach etwa 500 Tonnen Anlieferung eine Analyse durchgeführt.
Der Plastikabfall wird teilweise auch zu Gartenbänken oder Rasengittersteinen verarbeitet. Der Inhalt eines Gelben Sackes wiegt etwa ein Kilogramm
Es gibt auch makabre Funde in den Gelben Säcken. So tauchten in der Sortieranlage in Weiherhammer in den Gelben Säcken tote Katzen auf und einmal sogar ein ganzes Reh. In einer Anlage in Tschechien wurde sogar ein totes Baby in einem Gelben Sack „entsorgt“. Die Gelben Säcke muss die Firma Bergler kaufen und nur ein Drittel davon kommt mit Plastikabfällen aus dem Dualen System zurück. Der Rest wird „zweckentfremdet“. So werden damit die Mülltonnen ausgelegt, Tomatenpflanzen geschützt. Gelbe Säcke wurden sogar einmal auf einer Baustelle zum Schutz der Fenster vor dem Verputzen als Folien verwendet. Dies ist alles natürlich nicht erlaubt!
Eine Wissenschaft für sich ist auch die Humusbereitung. Die Halden müssen etwa vier Meter hoch sein und für einige Stunden mindestens eine Temperatur von über 65 Grad erreichen, damit Unkrautsamen abgetötet werden. Die Temperatur wird mit Sonden gemessen. Äste und Zweige werden aufgefasert, damit durch gute Durchlüftung die Mikroorganismen für die Humusbereitung sorgen können. In einem Humushaufen im Privatgarten entsteht höchstens eine Temperatur von 30 Grad, für die Humus Entstehung sorgen Würmer und Käfer und bis fertiger Humus zur Verfügung steht, dauert es drei Jahre, bei Bergler ist der Humus in einem halben Jahr fertig.
Die gesamte Humusanlage ist schräg angelegt, damit die Abwässer aufgefangen werden können. Eine Geruchsbelästigung entsteht für Mantel nur an wenigen Tagen, bei extrem ungünstigen Wetterlagen. Laut Vorschrift muss eine Humusanlage 300 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt sein. Für den vorbeugenden Brandschutz wurde auf dem Areal eine Wasser-Ringleitung mit mehreren Hydranten gelegt, so der Firmeninhaber.
Bergler wehrte sich auch gegen Vorwürfe, er würde seine Verträge nicht einhalten und abbruchreife Gebäude nicht einreißen. Er zeigte den Sozialdemokraten Gebäude, bei denen schon mit dem Abbruch begonnen wurde.
Nach der ausführlichen Beschäftigung mit dem Thema Abfall informierten sich die SPD-Leute noch über den Baufortschritt der Siedlung für die Amerikaner. Dazu konnten alle Beteiligten die Original-Baupläne einsehen.






