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SPD-Basis gegen Rente ab 67

(cf) Mit gesenktem Haupt, in Papieren lesend, erträgt Ludwig Stiegler die Schelte seiner Genossen an der Rente ab 67. Gegen seine Stimme bringt der SPD-Unterbezirksvorstand in die Delegiertenversammlung eine Resolution ein: "Wir fordern die Verantwortlichen in der SPD auf, das Vertrauen unserer Wähler nicht ein weiteres Mal dramatisch zu enttäuschen ..."

Einmütig verabschieden die Delegierten beim SPD-Unterbezirksparteitag am Samstag in der Max-Reger-Halle die Resolution an die Genossen in Berlin, "alles dafür zu tun, dass der Beschluss, der leider auf Antrag der SPD-Minister im Kabinett zustande kam, sofort zurückgenommen wird". Beifall erhält Kurt Seggewiß (Weiden-Ost): "Rente mit 67 ist nur Abzocke. Das kann eine Partei wie die SPD nicht mitmachen." Keine Hand rührt sich, als Stiegler den Beschluss verteidigt: "Über das Vorpreschen Franz Münteferings sind wir auch nicht glücklich." Der Renten-Versicherungsbericht mit seiner 15-jährigen Vorschau werde sehr bald "schwierige Zahlen" bringen. "Uns läuft die Zeit davon." In seinem Rechenschaftsbericht als als Vorsitzender des Unterbezirks Weiden-Neustadt/WN-Tirschenreuth (politisches Organ der SPD in der Nordoberpfalz) wirbt Stiegler um Verständnis für "stürmische Zeiten", die "kein Zuckerschlecken" bedeuteten. "Die Probleme begannen 1998 mit der Regierungsübernahme - in einem veränderten internationalen Umfeld. Und wir haben in den eigenen Reihen auch fehlbare Menschen ..." Er sei aber dankbar, dass die SPD in der Koalition mitgestalten und Schlimmeres (wie die Abschaffung der Tarifautonomie) verhindern habe können. Der Koalitionsvertrag gelte vier Jahre. Stiegler verspricht, über eine "Programm-Debatte" in der SPD ab 2009 eine "andere Perspektive" aufzubauen.

Ausdrücklich lobt Stiegler den ehemaligen MdL Fritz Möstl, der sich "teils selbst verschuldet, aber auch wegen seiner Krankheit, verkrochen hat": "Fritz hat über Jahrzehnte hinweg für die SPD im Landkreis Neustadt gearbeitet. Er verdient unseren Dank und unsere guten Wünsche." Ungeachtet des Widerspruchs in der Sache, statteten die 103 Delegierten Ludwig Stiegler bei den Neuwahlen mit überwältigendem Vertrauen aus: Auf den bald 62-Jährigen entfielen 95 Stimmen bei lediglich zwei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Stellvertretende Unterbezirksvorsitzende sind MdL Werner Schieder (91), Norbert Scharf (87), Annette Karl (neu, 83) und Gunthild Schroeter (75). Kassier Rainer Fischer (102), Schriftführerin Gisela Birner (einstimmig!), Organisationsleiter Helmut Plommer (99), Hildegard Burger (97) und Wolfgang Szydlik (95).

Hart in der Sache gingen die Delegierten ihren SPD-Unterbezirkschef an, statteten ihn aber mit großem Vertrauen aus. Sitzend, von rechts: „Vize“ MdL Werner Schieder, Vorsitzender MdB Ludwig Stiegler, Stellvertreterin Annette Karl, Kassier Rainer Fischer und Schriftführerin Gisela Birner. Im Hintergrund die Vertreter der SPD-Ortsvereine Mantel, Waidhaus, Neusorg, Wiesau und Etzenricht. Sie verzeichneten die meisten Mitglieder-Neuaufnahmen.

Quelle: Der Neue Tag - Ausgabe vom 06.02.2006