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Energiewende

Hochinteressante Informationen zur regionalen Umsetzung der Energiewende brachte eine gut besuchte Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Mantel. In ihrer Begrüßung verwies Vorsitzende Andrea Bertelshofer darauf, dass die Energiewende seit vielen Jahre eine zentrale Forderung der SPD sei und auch der SPD-Ortsverein Mantel das Thema schon lange in verschiedenen Veranstaltungen beleuchtet habe. Sie freue sich jedoch, dass jetzt auch die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung auf diesen Kurs einschwenke.



SPD-Landtagsabgeordnete Annette Karl sieht bei der Energiewende drei Prämissen: Sie müsse schnell erfolgen, die Stromversorgung müsse sichergestellt sein und die Energiewende sozial verträglich gestaltet werden. Bedauerlich sei, dass die Bundesregierung vor einigen Monaten ohne Not die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke beschlossen habe, deren Rücknahme jetzt zu hohen finanziellen Kosten führen könne. Annette Karl: „Dies wäre bei einer klugen Energiepolitik der Bundesregierung leicht zu vermeiden gewesen!“ Eine erfolgreiche Energiewende müsse einerseits zu einer wesentlichen Energieeinsparung führen, beispielsweise durch die energetische Gebäudesanierung und andererseits Energie besser nutzen, etwa durch verstärkte Kraft-Wärme Kopplung. Zudem müssten die Stromversorgungsnetze neu gestaltet werden. Gegenüber den wenigen großen Stromkonzerne sollten die lokalen Stadtwerke deutlich aufgewertet werden und die Regie der Energiewende übernehmen. So würden die dafür nötigen Gelder in der Region bleiben und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen. Seitens des Freistaates müssten planungsrechtliche Hemmnisse der Energiewende abgeschafft werden und beispielsweise der Ausbau der erneuerbaren Energien als Ziel in die Landesplanung aufgenommen werden und Priorität eingeräumt bekommen. Gerechter wäre zudem die Einführung einer Schadstoffsteuer, die den tatsächlich anfallenden Schaden beziffert, statt der Einführung einer allgemeinen Energiesteuer.

Im Mittelpunkt des Vortrages von Prof. Dr. Magnus Jäger von der Fachhochschule Amberg-Weiden standen die Anforderungen der Energiewende an die Bürger und Kommunen. Der Wunsch nach einer Energiewende beinhalte, so Professor Jäger, den Wunsch nach „sauberer Energie“, nach deren unbegrenzter Verfügbarkeit und nach billiger Energie. Erneuerbare Energien hätte so lange keine Chance gehabt, wie der Ölpreis sich auf niedrigem Niveau befand. Diese Zeiten seien endgültig vorbei. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte würden den erneuerbaren Energien gehören. Eine Energiewende in den Kommunen erfordere eine Analyse der jeweiligen Ist-Situation, um daraus Lösungsansätze abzuleiten. Grundlage sei die Betrachtung der privaten Haushalte. Eine Verbrauchsuntersuchung der privaten Haushalte in der Stadt Weiden für das Jahr 2007 zeigt, dass Einzelheime pro Kopf und Jahr mit knapp 2.400 KwH den größten Stromverbrauch aufwiesen, während Mehrfamilienhäuser einen Verbrauch pro Kopf und Jahr von 1.140 KWh hatten. Der gleiche Trend zeigte sich beim Gas- und Heizölverbrauch. Der größte Energieträger in der Stadt Weiden ist Erdgas vor Strom und Heizöl. Bei Einhaltung der internationalen Klimaschutzvereinbarungen müssten die Emissionen in Weiden bis 2050 gegenüber 2007 auf ca. 20 Prozent des heutigen Ausstoßes begrenzt werden. Dies müsste vorrangig über Energieeinsparung und die Verbesserung der Energieeffizienz erfolgen, insbesondere durch den intensiven Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Weitere wichtige Faktoren wären eine Ausweitung des Gebäudesanierungsprogramms, der Aufbau einer intelligenten Steuerung des Energieverbrauchs und der Ausbau der erneuerbaren Energieträger. Dabei zielt die Solarthermie auf die Warmwasserbereitstellung und Heizungsunterstützung. Photovoltaik wird wesentlich in den Sommermonaten genutzt, Windkraft unterstützt die Netzleistung in Zukunft vorrangig in der Nacht und in den Wintermonaten. Biomasse wie Holz oder Biogas wird aufgrund ihrer Speicherfähigkeit zukünftig als Regelenergie eingesetzt. Die Stadtwerke müssten als „Energiedienstleister vor Ort“ ausgebaut werden. Die Ziele der Energiewende müssten gemeinsam zwischen der Stadt und deren Bürgern vereinbart und deren Umsetzung ebenfalls gemeinsam überwacht werden. Eine Energiewende erfordere zwingend die Bereitstellung der dafür nötigen Mittel.

Josef Seibert, Sachgebietsleiter Umwelt der Stadt Weiden, stellte abschließend die Planungen zur Energiewende in Weiden vor. Ziel sei eine CO2-Einsparung bis 2020 um 36 Prozent und bis 2050 um 79 Prozent. Dies solle gemeinsam mit den Bürgern erreicht werden. Ein weiteres Ziel sei, so viel Wertschöpfung wie möglich in der Region zu belassen. Die Stadt engagiere sich erheblich bei der energetischen Gebäudesanierung. Eine bessere Gebäudetechnik senke ebenfalls den Energieverbrauch. Geplant sei ein Wärmeverbund des Klinikums mit den umliegenden öffentlichen Gebäuden. Das WTW wurde mit Solarthermieanlagen bestückt. Die Photovoltaiknutzung erhöhte sich in Weiden von 2009 auf 2010 um 49 Prozent. Ebenfalls werde Biomasse in nennenswertem Umfang genutzt. Windkraftanlagen sollten, trotz der gegenwärtigen Konflikte um mögliche Standorte, zukünftig einen substanziellen Beitrag zur Energieerzeugung in Weiden liefern. Der Stadt wären hier regionale Investoren am liebsten. Regional sollten sich Vorrangflächen für Windkraftanlagen nicht nur auf Weiden beschränken. Ein neuzugründendes und staatlich gefördertes Energie-Technologisches Zentrum werde aktiv an der Umsetzung der Energiewende mitarbeiten und unter anderem Bürger- und Firmenberatungen anbieten. Die Stadt Weiden sei bei der Energiewende gerne zur Zusammenarbeit mit dem Umland bereit. Der regionale Gedanke, so Josef Seibert, müsse im Vordergrund stehen!

Diskussionsleiter Dr. Manfred Klier wies abschließend auf die große Chance der Energiewende für die Region hin. Diese könne bei richtiger Umsetzung zu einem großen wirtschaftlichen Schub und zu einer Vielzahl von neuen Arbeitsplätzen in der Region führen und das Ungleichgewicht zwischen den Großstädten und ländlichen Gebieten verringern.

Dr. Manfred Klier