Gedenkveranstaltung
Gedenkveranstaltung
für
Christoph Mendel von Steinfels
am
Samstag, den 3. Mai 2008
in der
Schlosskapelle Steinfels
Anlässlich des 500. Todestages von Christoph Mendel von Steinfels hat unser Ortsverein die ehrenvolle Aufgabe übernommen, eine kleine Gedenkveranstaltung in Steinfels auszurichten. Einerseits ist es uns natürlich eine Verpflichtung, an einen bedeutenden Sohn unserer Gemeinde zu erinnern. Andererseits wollten wir auch die Möglichkeit nutzen, mit einer Kulturveranstaltung das Schloss in Steinfels wieder etwas in den Mittelpunkt zu rücken. Schließlich ist dieses immer noch zu verkaufen.
Die Veranstaltung war wirklich rundum gelungen. Die Begrüßung der Gäste übernahm unsere Vorsitzende Andrea Bertelshofer. Unter anderem waren auch der Hausherr Pfarrer Armin Spießl und sein evangelischer Kollege Andreas Ruhs Gäste. Herr Bürgermeister Josef Wittmann ließ sich aus Termingründen entschuldigen, sandte aber als Vertreterin Frau Rita Steiner, die ein Grußwort sprach. Die Gemeinde sorgte auch für die Bestuhlung der Kapelle.
Der Blumenschmuck kam von Blumen Wolfinger in Mantel. Für Kaffee und Kuchen sorgten die Damen unseres Ortsvereins.
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Natürlich wollten wir den Gästen auch ein Gefühl für die damalige Zeit geben. So wurde das Ganze künstlerisch von der Gruppe Amici Musicae Antiquae mit Dudelsack, Drehleier und Trommel abgerundet. Frau Daniela Fuhrmann führte uns in die satirische Literatur der Renaissance ein und trug Stücke aus dem Werk „Das Narrenschiff“ von Sebastian Brant und Gedichte von Hans Sachs vor. Einen Überblick über den Lebenslauf von Christoph Mendel lieferte uns Bernhard Weigl in seinem Festvortrag.
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Christoph Mendel von Steinfels wurde kurz vor der Mitte des 15. Jahrhunderts auf Schloss Steinfels geboren. 1463 finden wir ihn immatrikuliert an der Universität Leipzig. 1466 machte er hier seinen Magister. Sein Studium setzte Mendel an der berühmten Universität in Pavia fort. Dort machte er schließlich auch seinen Doktor der Rechte.
Herzog Ludwig der Reiche von Bayern-Landshut spielte schon seit Beginn seiner Amtszeit (1450) mit dem Gedanken, eine Universität in seinem Land zu gründen. Und schon früh stand für ihn fest, dass diese in Ingolstadt ihren Sitz haben sollte.
Nach langen Planungen war es schließlich 1472 so weit, dass die Universität in Ingolstadt eröffnen konnte. Diese war die elfte Universität im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Hauptgebäude war die sogenannte Hohe Schule. Dieses Bauwerk steht heute noch.
Anscheinend hatte sich Christoph Mendel von Steinfels zu dieser Zeit schon einen erstaunlichen Ruf als herausragender Gelehrter geschaffen, da er vom Herzog als Professor an seine neue Universität geholt wurde. Mendels Eintrag in die Ingolstädter Matrikel stammt erst von Ende Mai 1472, doch kann vermutet werden, dass er bereits zuvor mit den Problemen der neugegründeten Universität befaßt war. Die Vorlesungen begannen im März. Damit die Universität nicht ohne Oberhaupt war, ernannte der Herzog vorläufig einen Vizerektor.
Am 25. Juli schließlich wurde Christoph Mendel von Steinfels zum ersten ordentlichen Rektor gewählt. Bis dahin hatten sich schon 489 Studenten eingeschrieben. Auf der ersten Seite der Universitätsmatrikel wurde Rektor Mendel zusammen mit Ludwig dem Reichen verewigt, wie sie vor der Muttergottes knien. Gleichzeitig mit dem Amt des Rektors übernahm Mendel das des Kämmerers der Universität. In Ingolstadt wurde jedes Jahr ein neuer Rektor gewählt. Im Wintersemester 1476 wurde Mendel noch einmal an die Spitze der Universität berufen. Das Kämmerer-Amt verblieb Mendel die ganzen Jahre über bis 1476.
1479 verließ er seine Eichstätter Professur. Seine weitere Karriere machte er zunächst in Diensten des Eichstätter Bischofs Wilhelm von Reichenau, der als Diözesanbischof und Kanzler der Universität eng verbunden war. 1479/80 wird Mendel als Domherr zu Eichstätt und 1481 als Generalvikar genannt. Zugleich blieb er den niederbayerischen Herzögen als Diplomat verbunden. Nach dem Tode Bischof Wilhelms 1496 wurde Gabriel von Eyb zum neuen Bischof von Eichstätt gewählt. Gegen dessen Wahl legte Christoph Mendel von Steinfels beim Papst und beim Kaiser Appellation ein. Möglicherweise strebte er selbst das Amt an. Sein hartnäckiger Widerstand gegen Eyb führte schließlich zur Amtsenthebung Mendels.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall, dass Gabriel von Eyb ab April 1475 an der drei Jahre zuvor gegründeten Universität Ingolstadt Rechtswissenschaften studiert hat. Eyb muss also zu dieser Zeit ein Student Christoph Mendels gewesen sein.
Ein neues Betätigungsfeld fand Mendel in Salzburg. Hier wurde er 1499 Kanzler des Erzbischofs. Er war hier aber nicht nur als Geistlicher tätig, sondern auch als Unternehmer. Vor 1501 gründete er mit zwei Bergbauunternehmern eine Gesellschaft, die das um Gastein und Rauris geförderte Edelmetall nach Venedig transportierte. Rauris ist noch heute bekannt für den historischen Goldbergbau.
Am 5. August 1502 wurde Christoph Mendel von Steinfels in Anwesenheit des Salzburger Domkapitels zum Bischof von Chiemsee nominiert. Die päpstliche Bestätigung seines Bischoftitels erfolgte am 18. Oktober durch den Papst. Das Bistum Chiemsee war ursprünglich Teil des Bistums Salzburg. Nachdem dieses aber zu groß geworden war, wurde Chiemsee abgespalten. Die Bischöfe von Chiemsee unterstanden somit den Erzbischöfen von Salzburg. Auf der Insel Herrenchiemsee befand sich der sogenannte Inseldom. Der Bischof selbst residierte jedoch in Salzburg im sogenannten Chiemseehof. Hier befindet sich heute der Sitz der Salzburger Landesregierung. Gleichzeitig war Mendel auch noch Weihbischof zu Salzburg.
Christoph Mendel von Steinfels erwies sich durchaus als wehrhafter Charakter. Hier half ihm wohl auch seine Juristenbildung. So führte er mehrere Prozesse wegen seiner bischöflichen Rechte. Im Jahre 1507 stiftete er zusammen mit 13 anderen Familienmitgliedern ein Collegium für 12 Priester zu Bamberg. Sein Bruder Johann war inzwischen Dekan an der alten Kapelle in Regensburg.
Mendel regierte sechs Jahre als Bischof und verstarb am 4. Mai 1508. Er wurde im Salzburger Dom beigesetzt. Seine Grabplatte ist bedingt durch den barocken Umbau des Domes leider heute nicht mehr erhalten.
Die Universität Ingolstadt zog im Jahre 1800 nach Landshut und im Jahre 1826 endgültig nach München um. Hier ist sie weltweit unter dem Namen Ludwig-Maximilians-Universität bekannt. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Ludwig-Maximilians-Universität heute etwa 700 Professoren und 40.000 Studenten hat, dann sieht man, zu welch einer bedeutenden Einrichtung sich die Universität entwickelt hat. Das Amt des Rektors nahmen in späterer Zeit auch so bedeutende Personen ein wie der 1925 heilig gesprochene Petrus Canisius oder der Geschichtsschreiber Wiguläus Hundt. Im Jahre 2002 wurde Professor Dr. Huber zum 710. Rektor gewählt. Seit 2007 lautet die Amtsbezeichnung nicht mehr Rektor, sondern Präsident.
Ganz am Anfang dieser Reihe stand eben unser Christoph Mendel von Steinfels.
Das Programm [53 KB]











